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02. Jul. 2016
Kraftquelle Natur

Eisenverarbeitung in Hollenstein

Bis ins 12. Jahrhundert zurück reichen erste Nachweise für eine Eisenindustrie an der niederösterreichischen Eisenstraße. Hollenstein war aufgrund seiner günstigen geografischen Lage einer der ersten Orte, an dem sich Hammerwerke ansiedelten. Die großen Holzvorkommen, aus denen die zur Beheizung der Öfen notwendige Holzkohle gewonnen wurde, und die zahlreichen Wasserläufe, die als Antrieb für die Hämmer und als Triftbäche für das geschlagene Holz genutzt wurden, bildeten optimale naturräumliche Voraussetzungen für die Kleineisenindustrie.

Bereits 1316 existierten in Hollenstein 6 Zerrenn-Hämmer, die aus dem Roheisen durch Ausheizen und Schlagen mit 250 kg-schweren Hämmern Stahl und Schmiedeeisen gewannen. Ein Großteil dieser Werke siedelte sich am Loibaubach an, welcher deshalb heute den Namen „Hammerbach“ trägt.
Das notwendige Roheisen wurde im Innerberg, dem steirischen Erzberg, gewonnen und mittels Fuhrwerken über den Mendlingpass nach Lassing und von dort über den Hofberg ins Hammerbachtal geliefert. Eine zweite mögliche Verbindung nach Eisenerz bestand über die Straße aus dem Ennstal (über Weyer) ins Ybbstal. Später entlastete die Flößerei über die Enns und die Ybbs den erschwerlichen Transport des Eisens. Als Gegenleistung für den wichtigen Rohstoff wurden Lebensmittel in den steirischen Raum geliefert.

Hollenstein war zu dieser Zeit der Hauptort der NÖ Eisenwurzen. Durch Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Flexibilität, konnten sich die Ybbstaler Hammerwerke Vorteile gegenüber den konkurrenzierenden Städten erarbeiten und Krisenzeiten gut überstehen.
Im 16. Jahrhundert wurde die Eisenversorgung vom Innerberg durch Preistreiberei der zuständigen Händler gefährdet woraufhin eine Eisenkammer gegründet wurde, die von nun an durch strenge Vorgaben die Preise regelte. Zu dieser Zeit bestanden im oberen Ybbstal 13 Großzerenn-Hämmer, davon alleine 6 in Hollenstein. Die 13 Werke schlossen sich zu einer Zunft zusammen und veranstalteten einmal im Jahr ein Treffen in Hollenstein, bei dem die Hammerordnung verlesen und durch den Ort geführt wurde. Von diesen Ereignissen zeugt noch heute das Zunftzeichen im Gasthaus Osterberger.

Eine neuerliche Blütezeit im 18. Jahrhundert ließ die Großzerrennhammermeister, die aufgrund ihres Reichtums und der schwarzen Kleidung „schwarze Grafen“ genannt wurden, Bauernhöfe zukaufen. Dadurch war die Versorgung der Hämmer mit dem wichtigen Holz gesichert. In dieser Zeit entstanden auch deren zahlreiche Herrenhäuser mit ihren charakteristischen steilen Dächern.
Zu einer wesentlichen technologischen Veränderung kam es ab etwa 1750, als man zunehmend Steinkohle anstatt der Holzkohle zum Beheizen der Öfen verwendete.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die wirtschaftliche Bedeutung der gewerblichen Kleineisenindustrie nach und nach ab. Grund dafür war die Erfindung der Dampfmaschine, die eine Bindung an Wasserläufe nicht mehr erforderte. Es entstanden konzentrierte Industriegebiete in den einfacher erreichbaren Gegenden vom Donauraum bis nach Deutschland. Dadurch konnte die Auflösung der ersten Hammerwerke und damit der Schwund der Lebensgrundlage für viele Hollensteiner nicht verhindert werden. Es war schwierig die zahlreichen Arbeitslosen in anderen Industriebereichen unterzubringen und so stürzten viele Familien in eine bittere Armut. 1873 waren in Hollenstein nur mehr 4 Hammerwerke in Betrieb. Die Ära der Eisenverarbeitung in Hollenstein ging zu Ende. Zurück blieben die zahlreichen verstummten Hämmer und viele Menschen, die einer ungewissen Zukunft entgegen blickten. Im Jahr 1941 wurde das letzte Hammerwerk stillgelegt.

1988 beschloss der Gemeinderat, bei der Schaffung der ARGE NÖ. Eisenstraße mitzuwirken.
Der Grundgedanke dabei war, die noch bestehenden Objekte aus der Zeit der Kleineisenindustrie zu revitalisieren und Besuchern zugänglich zu machen. Damit soll auch zukünftigen Generationen die einstige Bedeutung des Eisens für die Region aufgezeigt werden. Daraufhin wurde im Jahr 1990 der Verein NÖ Eisenstraße gegründet.