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02. Jul. 2016
Kraftquelle Natur

Historische Eisenstraße

Das Gebiet der Eisenwurzen liegt im Dreiländereck Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark und erstreckt sich über ein geräumiges Gebiet, von den Eisenerzer Alpen bis zur Donau und vom Traun- bis zu Erlauftal. War sie auch politisch nie eine Einheit, so bildete sie doch einen umso geschlosseneren Wirtschaftsraum, der Österreich und die umliegenden Länder, bis zum Balkan und nach Russland mit seinem Eisen versorgte.

Woher der Name Eisenwurzen kommt, ist nicht bekannt. Unbestritten ist jedoch, dass das Herz dieser Region der steirische Erzberg ist. Dort wurde das wichtige Roheisen gewonnen, das die Region sowohl wirtschaftlich als auch landschaftlich prägte. Ein poetischer Ansatz sieht den Erzberg als riesigen Baum, dessen Wurzeln weit in das umliegende Land hineinreichen und die wichtigen Handelsrouten darstellen.

Die Anfänge des Wirtschaftsraumes Eisenstraße reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Bald wurden durch fehlende bäuerliche Struktur die Nahrungsmittel rund um den Erzberg knapp. Weiters fehlten für die Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens wichtige Energiestoffe wie Holz und Wasser. Durch diese Mangelerscheinungen kam es zu einer Dezentralisierung von Arbeitsvorgängen und es entwickelten sich die wichtigen Handelswege in das Ybbs- und Ennstal und in das Donaugebiet. Von dort holte man Fleisch, Getreide, Most, Schmalz, Wolle und Leinen und bot als Tauschware das gewonnene Eisen. Im Ybbstal, wo genügend Holz zur Kohlenerzeugung und Wasser als Antriebs- und Transportmittel zur Verfügung standen, entstanden zahlreiche Hammerwerke, die aus dem Roheisen Werkzeug und ähnliches herstellten. So profitierte die gesamte Region Eisenwurzen vom intensiven Handelsgeschäft mit Eisen und Gütern des täglichen Bedarfs.
Die Produktions- und Handelskette der Eisenprodukte verlief also über 3 Stationen: Die Radmeister, die das Erz ergruben und das Eisen erschmolzen, die entfernteren Hammerwerke, die es zu schmiedbarem Material verarbeiteten und die Händler in den Städten, die den Vertrieb der Ware übernahmen.

Die Eisenindustrie war somit, unterbrochen von so manchem Tiefpunkt, bis ins 19. Jahrhundert wichtige Lebensgrundlage für die Region. Mitte des 19. Jahrhunderts begann jedoch der Niedergang der Eisenindustrie. Gründe dafür lagen in der industriellen Revolution. Statt den Hämmern entstanden Fabriken und durch den zunehmenden Transport über Schiene und Wasser konnte billiges Eisen aus dem Ausland geliefert werden, was die regionale Industrie zunehmend unter Druck setzte. Es folgte eine schwere Zeit, die von Ängsten und Befürchtungen um den Fortbestand der Industrie, der Hämmer und somit der Lebensgrundlage geprägt war. Doch das Schicksal nahm seinen Lauf und die Blütezeit der Eisenindustrie ging zu Ende. Sie verlagerte sich hinaus nach Europa und hinterließ zahlreiche stille Hammerwerke und verzweifelte Menschen. Und dennoch, haderte man damals auch mit dem Schicksal, so ist man heute glücklich darüber, vom Los der Industrialisierung weitestgehend verschont geblieben zu sein.

Die einstige industrielle Bedeutung der Eisenstraße wandelte sich zu einer touristisch und geschichtlich wichtigen Kulturlandschaft. So versucht man heute, durch Restaurierung alter Hammerwerke, Mühlen und Sägewerke, Wiederbelebung alter Arbeitstechniken und durch zahlreiche informative Einrichtungen und Veranstaltungen die Vergangenheit aufzuarbeiten und den Besuchern der Eisenstraße zugänglich zu machen.